Der überraschende Tod von Jürgen Egger hinterlässt in der Redaktion und im Verlag Bestürzung und Fassungslosigkeit.
Jürgen Egger, gelernter Regisseur und Drehbuchautor, machte sich seit Ende der Achtzigerjahre in der HiFi-Szene einen Namen als erfrischender Querkopf und audiophiler Provokateur, nicht zuletzt durch seine Artikel in IMAGE HIFI. Nach süffisanten Messeberichten und einer immer wieder herzhaft formulierten Unlust, sich nicht mehr mit üblichem HiFi-Zeugs langweilen zu wollen, verabschiedete sich Jürgen Egger Mitte der Neunziger aus dem üblichen Testalltag einer immerhin unüblichen Zeitschrift. Er widmete sein Schaffen fortan der Filmbranche, der elektr(on)ischen Musik und der schonungslosen Abrechnung mit einigen Heiligen Kühen unter Audiophilen.
Zur Legende unter High-End-Querdenkern wurde Eggers als „Schlüsselloch-Report“ getarnter Artikel über Single-Malt-Whisky, der 1995 in der Ausgabe 1 von IMAGE HIFI erschien. Es hagelte Leserbriefe mit wüsten Beschimpfungen, komplettem Unverständnis und purer Begeisterung - und Jürgen Egger hatte seinen Spaß an allen Zuschriften, denn kaum etwas war dem bekennenden Franken und Electronix-Fan mehr zuwider als Langeweile.
Er verfasste seine Beiträge mit hartnäckiger Offenheit, würzte sie mit sarkastischen Seitenhieben, gezielten Provokationen, aber auch profunder Kennerschaft, die sich häufig auch in Themen widerspiegelte, die auf den ersten Blick so gar nichts mit HiFi oder Musik zu tun zu haben scheinen, Fußball oder Weltpolitik etwa. Oder Single Malt.
Nur nach unserem feierlichen Versprechen, ihn niemals wieder mit einer HiFi-Komponente zu belästigen, ermittelte Jürgen Egger weiterhin in Sachen elektronischer Musik, darüber hinaus schrieb er in IMAGE HOME ENTERTAINMENT über Klassiker der Filmgeschichte. Von dieser No-Hardware-Regel erlaubte sich der begeisterte E-Gitarrist nur zwei Ausnahmen, darunter eine launige Story über riesige Tannoys in HIFI TUNES - DAS LAUTSPRECHERBUCH.
Jürgen Eggers Artikel sorgten durchweg für Vergnügen bei charakterlich gefestigten Lesern, aber auch für hitzige Diskussionen, bisweilen sogar Ärger unter eher zartbesaiteten (oder humorlosen) HiFi-isten.
Wer Jürgen Egger persönlich kennenlernen durfte, wurde angenehm überrascht, dass der so messerscharf und sarkastisch formulierende Fast-zwei-Meter-Mann - nur komplett mit cooler Sonnenbrille, betagtem Porsche und zurückhaltend-sonorer Stimme - ein außergewöhnlich zuvorkommender und freundlicher, ja, geradezu höflicher Zeitgenosse war.
Jürgen Egger starb am 1. Juli 2009 nach schwerer Krankheit.
Er wurde nicht einmal 50 Jahre alt.
Wir vermissen ihn schmerzlich.
Das Team von IMAGE HIFI und HIFI TUNES